Is ja 'n Ding! Geschichten für Kinder

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Geschichten für Kinder

Transkript

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00:00:00: Hallo, hier begrüßt ich Judith Göhrer.

00:00:02: Gleich wird uns dieses Ding aus der Sammlung des Badischen Landesmuseums erzählen wie eine Wiesenblume dafür sorgte dass ein Glaskünstler und ein Goldschmied ein wunderschönes Gefäß erschufen – und welche Rolle Frankreich und Deutschland dabei spielten!

00:00:30: Eine Pflanze schmückt meinen Glaskörper.

00:00:33: Sie steht auf einer hellgrünen Wiese und ragt bis in den rosäfarbenen Himmel hinein!

00:00:38: Sogar auf meinem vergoldeten Silberdeckel kannst du sie sehen, ich bin sehr stolz auf diese Blume.

00:00:45: Kennst Du sie?

00:00:46: No?

00:00:47: Na dann gebe ich dir einen Tipp!

00:00:49: Siehst du die Blätter, die wie Feinspitzen aus dem Boden wachsen?

00:00:53: Ihre Ränder sind gezackt und sehen wie scharf für Löwenzähne aus.

00:00:58: Die Blüte dieser Blume ist eigentlich goldgelb.

00:01:01: Doch auf meinem Glaskörper hat sie sich bereits verwandelt in einen Busch aus flauschigen weißen Samen.

00:01:08: Jedes einzelne Samenkorn hat einen Stil und einen kleinen Schirm.

00:01:13: Oh, da kommt ein Windstoß!

00:01:16: Der Wind spielt mit der Blume und die Samen wirben wild durcheinander.

00:01:21: oder hast du etwa gepustet?

00:01:23: Immerhin handelt es sich hier

00:01:25: um eine

00:01:25: Pusteblume.

00:01:27: Du kennst sie sicher auch unter ihrem richtigen Namen, Löwenzahn.

00:01:32: Oder sagst du Kuhblume oder Schäfchenblume zu ihr?

00:01:38: Ja stimmt!

00:01:40: Das ist ein Löwanzahn.

00:01:42: Da fällt mir ein passendes Gedicht von Josef Guggemus ein.

00:01:48: Löwonzahn.

00:01:49: da stand er da im Silberhaar Aber eine Dame Annette war ihr Name machte ihre Backendick machte ihre Lippenspitze, bließ einmal, blies mit Macht, bließ ihm fort die ganze Pracht.

00:02:08: Und er blieb am Platz zurück mit einer Klatze.

00:02:17: Nun wollen wir aber mal wissen was das für ein Gefäß ist?

00:02:23: Ach so!

00:02:24: Du willst wissen wer ich bin?

00:02:26: Ich heiße Chandel und bin ein Flakon.

00:02:29: Das ist ein französisches Wort.

00:02:32: Flakon bedeutet übersetzt Fläschchen.

00:02:35: Ich bin ein Glasflächchen mit Deckel.

00:02:38: Meist ist ein Flakoon mit duftendem Inhalt

00:02:41: gefühlt,

00:02:42: das kann zum Beispiel Parfum oder Duftwasser sein.

00:02:46: Als ich in dem Jahr eighteenhundertsechserneunzig gefertigt wurde konnten sich nur reiche Damen und Herren Parfums leisten.

00:02:54: Mein schöner Glaskorpus wurde vor einhundertdreißig Jahren in der Werkstatt der berühmten Glaskünstler August und Antonin Dorm, in der Stadt Nancy, in Frankreich hergestellt.

00:03:06: Noch heute ist Nancy berühmt für ihre Glaskunst.

00:03:10: Aha!

00:03:11: Nancy?

00:03:13: Wie leicht hast du von dieser Stadt schon

00:03:14: gehört?!

00:03:16: Seit vielen Jahren ist Nancy Partnerstadt von Karlsruhe.

00:03:21: Doch ich bestiere nicht nur aus Glas.

00:03:24: Ein vergoldeter Aufsatz aus Silber grünt meinen Glaskorpus.

00:03:28: Es ist ein Deckel, den man aufklappen kann.

00:03:31: Darunter erscheint ein weiterer mit Löwenzahn verzirrter Verschluss.

00:03:35: Er verschließt das Glas damit der feine Duft des Parfans nicht entweichen kann.

00:03:41: Mein Deckel wurde aber nicht in Norsige verdicht.

00:03:45: Mein Glaskörper wurde auf eine Reise von Nonsi nach Heidelberg geschickt.

00:03:50: Dort kam ich zu dem badischen Hof-Goldschmied Nikolaus Trübner, der deutsche Goldschmiet und die Glaskünstler Dom aus Frankreich hatten sich drei Jahre vor meiner Entstehung auf einer großen Weltaussstellung in Chicago in den USA getroffen.

00:04:06: Trübner gewann damals einen Preis und wurde weltweit bekannt.

00:04:12: Fortan ließen die Gebrüder Dom Goldschmiede arbeiten für ihre Glasgefäße, auch bei Trübner in Heidelberg anfertigen.

00:04:20: So kam auch ich zu meinem vergoldeten Deckel mit den zackigen Löwenzahnblättern unter geschlossenen Blüte!

00:04:27: Man kann sogar den Namen Trübener in meinem Deckel lesen.

00:04:31: Moment... da muss sich doch nochmal ganz kurz nachfragen.

00:04:35: Warum wählten die Künstler eine gewöhnliche Wiesenblume als Motiv?

00:04:41: Ein Löwenzahn, das ist für viele Menschen ein Unkraut, dass irgendwo auf der Wiese wächst.

00:04:47: Aber doch nicht für einen Flakon mit kostbarem Parfüm!

00:04:53: Du musst wissen damals war es in vielen Ländermode Dinge mit Formen aus der Natur wie zum Beispiel Blumen zuschmücken.

00:05:01: Egal ob in der Malerei, in der Architektur oder eben auch an der Glaskunst.

00:05:07: Art Nouveau nennt man heute diese Kunstrichtung in Frankreich.

00:05:11: In Deutschland Jugendstil.

00:05:14: Oh, jetzt wird der Wind wieder kräftig!

00:05:17: Hoffentlich bläßt er nicht gleich alle Schirmchen davon!

00:05:21: Adieu!

00:05:24: Unser Ding ist also durch eine deutsch-französische Zusammenarbeit entstanden und das zu einer Zeit wo die Menschen dieser beiden Länder keine Freunde waren und es die Idee von Europa noch nicht gab.

00:05:38: Der Flakon ist also ein schönes Beispiel dafür, dass Kunst und Kultur die Menschen über Grenzen hinweg verbinden können.

00:05:47: Wenn du noch mehr solche schönen Jugendstildinge sehen willst, so komm doch mal zum Museum beim Markt in Karlsruhe!

00:05:55: Tschüss und bis bald.